7 Fragen an die Deutsche Familienversicherung

Mein Interview mit Dr. Stefan Knoll, CEO und Gründer der Deutschen Familienversicherung

Die Deutsche Familienversicherung mit Sitz in Frankfurt gilt als die erste volldigitalisierte Versicherung Deutschlands. Ausgangspunkt für die Technologisierung des Versicherers sind einfache und verständliche Produkte, die den einfachen und schnellen Abschluss eines Vertrages ermöglichen. Für Schlagzeilen sorgte der Versicherer im letzten Jahr vor allem mit der Möglichkeit, via „Alexa“ (Amazon Echo) einen Vertrag abzuschließen. Nicht weniger schlagzeilenträchtig war auch der Börsengang in 2018. Damit ist die Deutsche Familienversicherung das erste börsennotierte InsurTech in ganz Europa. Im Zuge der Bilanzpressekonferenz am 4. April in Frankfurt hatten wir die Möglichkeit, mit dem CEO und Gründer der Deutschen Familienversicherung, Dr. Stefan Knoll, zu sprechen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Jahr 2018?

Sehr. Das Jahr 2018 war das beste in der Firmengeschichte der Deutschen Familienversicherung. Mit 55.263 neuen Verträgen konnte ein überdurchschnittliches Neugeschäftswachstum von 29 Prozent in den Stückzahlen und von 90 Prozent im Beitrag gegenüber dem Neugeschäft 2017 erreicht werden. Ein wichtiger Erfolgsfaktor sind unsere Krankenzusatzversicherungen. Hier wurde 2018 ein Neugeschäftswachstum von 41 Prozent (Stück) und 104 Prozent (Beitrag) erreicht. Hinter diesen Entwicklungen stehen nur 111 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – das ist eine unglaubliche Leistung!

Doch nicht nur unsere Zahlen sprechen für sich. Mit der Einführung von Alexa als digitalem Vertriebsweg und Künstlicher Intelligenz zur Leistungsregulierung hat die DFV neue Maßstäbe in der Branche gesetzt. Am Ende des Jahres stand ein weiterer Höhepunkt: Seit Dezember sind wir das erste börsennotierte InsurTech in Europa!

Dr. Stefan Knoll, CEO und Gründer der Deutschen Familienversicherung

Wieviele der beim Börsengang eingesammelten Millionen sind bereits in die Zukunft investiert? Und was genau machen bzw. haben Sie schon mit dem Geld gemacht?

Der Börsengang war Bestandteil unserer Wachstumsstrategie. Der Erlös von ca. 52 Millionen Euro wird somit hauptsächlich in den Vertrieb investiert. Ein wichtiger Schlüssel zu unserem Erfolg ist die Unternehmens-IT, in deren Ausbau wir 2019 ebenfalls investieren werden. Der Fokus liegt hierbei besonders auf dem Ausbau der Automatisierung der Schaden-/Leistungsbearbeitung.

Wo stehen Sie im Hinblick auf die Zielmarke „100.000 Neukunden per Ende 2019“?

Die DFV ist “on track”: Zum Ende des ersten Quartals 2019 haben wir unglaubliche 30 Prozent Zielerreichung geschafft, das heißt wir liegen im ersten Quartal 5.000 Verträge über dem Zeitziel. Wir sind zuversichtlich, dass wir das ambitionierte Ziel von 100.000 Neukunden im Jahr 2019 tatsächlich erreichen. Gelingt uns dies, gehört die DFV zu den fünf am größten wachsenden Versicherungsunternehmen bezüglich des Neugeschäfts im Krankenzusatzbereich in Deutschland.

Hand aufs Herz: Der Versicherungsabschluss durch „Alexa“ hört sich ja toll und modern an, aber sind die Kunden überhaupt (schon) bereit dafür? Wie viele Prozent der Abschlüsse werden über Alexa tatsächlich getätigt?

Ich bin überzeugt, dass in fünf bis zehn Jahren keine Websites mehr für den Verkauf von Versicherungen benötigt werden. Die derzeitigen Abschlusszahlen sind dabei zu vernachlässigen. Der Trend zeigt eindeutig, dass die Nutzerzahlen stetig steigen. Digitale Sprachassistenten sind die Zukunft des Versicherungsbetriebs! Formulare, langwierige Verkaufsgespräche für Selbstverständlichkeiten sind passé.

Wir haben diesen Trend frühzeitig erkannt und sind heute das erste und bisher einzige InsurTech, das den kompletten Verkaufsprozess von der Information über den Abschluss bis zur Bezahlung über Alexa abbilden kann. Grundlage dafür ist unsere hauseigene event- und java-basierte IT-Plattform und die Integration künstlicher Intelligenz in unsere Unternehmens-IT. Nicht nur für die Realisierung von Projekten wie Alexa ist das System die Grundlage. Im Bereich des Schadenmanagements können wir mit Hilfe von KI Prozesse in Echtzeit abwickeln. Außerdem sind Produktänderungen sehr schnell umsetzbar und wir können in nur wenigen Wochen neue Produkte auf den Markt bringen.

Werden Sie neidisch, wenn Sie sehen, dass andere InsurTechs, die – ohne Ihnen schmeicheln zu wollen – bisher viel weniger PS auf die Straße bekommen haben als Sie, mit viel mehr Geld „zugeworfen“ werden?

Dr. Stefan Knoll, CEO und Gründer der Deutschen Familienversicherung

Neidisch bin ich nicht. Aber ich wundere mich schon sehr, dass es Investoren gibt, die ihr Geld in teilweise fragwürdige Geschäftsmodelle investieren.

Für uns bedeutet InsurTech die Verbindung aus Versicherung und Technologie. Wir sind ein funktionierendes Versicherungsunternehmen, das alle Vorgänge – von der Produktentwicklung, über Vertrieb und Controlling bis zu Schaden/Leistung – selbst abbildet. Gleichzeitig haben wir unsere gesamte Wertschöpfungskette digitalisiert. Wir verzeichnen operative Gewinne und verfügen mit 450.000 Kunden über eine hinreichende Versichertenbasis. Dieses Gesamtpaket ist es, was uns zum Vorreiter aller InsurTechs macht. Gleichzeitig bildet es die Basis für weiteres Wachstum.

Sind auch strategische Investitionen in Vertriebs- oder Kooperationspartner eine Option für Sie? Wann streben Sie auch auf das internationale Parkett?

Nein, wir wollen ausschließlich organisch wachsen, übrigens auch im Bereich unserer Internationalisierung. Die Deutsche Familienversicherung wird das Jahr 2019 nutzen, um zu prüfen, ob es sich angesichts der guten Absatzmöglichkeiten im nationalen Markt lohnt, das Vertriebs- und Produktmodell der Deutschen Familienversicherung auf das europäische Ausland auszudehnen und – bejahendenfalls – welches die bevorzugten Zielmärkte sind. Mit einem Beschluss zur Europäisierung des Geschäftsmodells der Deutschen Familienversicherung wird dann im Jahr 2020 mit der Planung begonnen.

Sie haben als Erfolgsfaktor für das vergangene Jahr die Krankenzusatzversicherungen angesprochen. HenkelCareFlex ist demnach 2019 ein wichtiger Faktor für Ihre Planung? Gleichzeitig treten Sie mit dem DFV TierkrankenSchutz in ein komplett neues Produktfeld ein. Worauf liegt 2019 der Fokus: Krankenzusatz- oder Sachversicherungen?

Mit HenkelCareFlex bieten wir gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern – Henkel und der IG BCE – eine beispielhafte Lösung für die betriebliche Pflegezusatzversicherung. Alle rund 9.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Henkel erhalten somit eine Basisabsicherung für die Pflegevorsorge. HenkelCareFlex ist zum 01.01.2019 gestartet, somit konnten wir per Jahresbeginn bereits mehrere Tausend Verträge policieren. Auch 2019 werden wir wieder auf unsere ausgezeichneten Krankenzusatzversicherungen setzen!

Doch dabei bleibt es nicht. Im Bereich Sachversicherungen steht 2019 einiges auf der Agenda. Derzeit überarbeiten wir unsere Rechtsschutzversicherung, ab Mitte des Jahres wird dann die KombiVersicherung 5+, bestehend aus Unfall-, Hausrat-, Glas-, Haftpflicht- und Rechtsschutzversicherung, wieder angeboten.

Dr. Stefan Knoll, CEO und Gründer der Deutschen Familienversicherung

Mit dem DFV TierkrankenSchutz treten wir in ein neues Produktfeld ein. Mit Pro7/Sat.1 haben wir dabei einen bekannten Kooperationspartner an unserer Seite. Gemeinsam bieten wir bereits seit letztem Jahr den DFV ZahnSchutz unter der Marke „Maxcare“ an. Wir freuen uns, dass uns dieser bereits etablierte Vertriebsweg für den Absatz der Tierkrankenversicherung zur Verfügung steht und wir die bestehende Vertriebskooperation mit der größten privaten Sendergruppe ausbauen können. Das Produkt wird noch in der ersten Jahreshälfte verfügbar sein. Verläuft alles nach Plan, beabsichtigen wir, auch in diesem Produktsegment zu den Mitbewerbern des Marktes aufzuschließen.

Herr Dr. Knoll, herzlichen Dank für Ihre Zeit und das sehr angenehme und informative Interview. Wir sind sehr gespannt, wie sich die Deutsche Familienversicherung weiterentwickeln wird. Wir wünschen Ihnen und Ihrem Unternehmen alles Gute!