Die Renaissance der Rentenversicherung steht vor der Tür

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Die Renaissance der Rentenversicherung steht vor der Tür

Zahlreiche Medien, einige Verbraucherschützer und vermeintliche Experten haben sich schon auf einen Abgesang auf die Lebensversicherungsbranche in Deutschland eingestimmt. Doch ich glaube nicht nur an eine Wiedergeburt der Lebensversicherungsbranche – ich bin sogar fest von einer Renaissance der Rentenversicherung überzeugt.

Warum und wie die Rentenversicherung in den nächsten Jahren reüssieren wird? Das lesen Sie in meinem heutigen Beitrag.

Die Rentenversicherung – eine ganz besondere Versicherung

Der Bedarf an Versicherungen hat eine lange Tradition. Sich zu versichern entspricht dem Urbedürfnis des Menschen nach Sicherheit, Zuverlässigkeit und Garantien.

Die sogenannten Tontinen gelten als die Vorläufer der heutigen Rentenversicherung. In der Reinform einer Tontine nimmt ein Verein, ein Unternehmen oder ein Staat gegen eine Gebühr Einzahlungen der Teilnehmer an. Das angesammelte Kapital wird zu definierten Zeitpunkten verzinst und an die noch lebenden Teilnehmer ausgezahlt.

Eine herkömmliche Rentenversicherung zahlt ab Rentenbeginn lebenslang monatlich die vereinbarte Rente – egal wie alt man auch immer werden wird. Das ist genial!

Warum eine Rentenversicherung so wichtig ist

Die gesetzliche Vorsorge ist in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Ländern gut. Doch für ein Mehr an Komfort im Alter ist die private Vorsorge unverzichtbar. Denn das Rentenniveau – also das Verhältnis von gesetzlicher Standardrente zum Durchschnittsverdiener – sinkt seit Jahren: Aktuell liegt es bei unter 50 %.

Ein Standard-Rentner bekommt als Rente also weniger als die Hälfte eines Durchschnittsverdieners. Für das Jahr 2030 wird mit einem Rentenniveau von unter 45 % gerechnet.

Anleger können für die private Vorsorge aus zahlreichen Finanzprodukten auswählen: zum Beispiel Aktien, Fonds oder strukturierte Produkte. Der wichtigste Unterschied zwischen den verschiedenen Finanzprodukten ist ihr unterschiedliches Rendite-Risiko-Profil. So kann der Anleger sich die passende Anlage oder den passenden Anlagemix für sein persönliches Profil zusammenstellen.

Die Realität zeigt ein anderes Bild. Nur wenige Menschen nutzen solche Finanzprodukte für die private Vorsorge. Vielleicht weil sie zu komplex oder riskant sind, vielleicht weil sie einen schlechten Ruf haben oder weil sie nicht bekannt genug sind.

Stattdessen bunkern die Deutschen Milliarden und Abermilliarden auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten. Das ist ein echtes Paradoxon: Denn seit Jahrzenten sinken die Zinsen – während die Gelder auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten ständig neue Höchststände erreichen.

Es zeigt aber auf jeden Fall auch, dass ein Mensch sich bei der Kapitalanlage nicht (nur) finanzrational entscheidet – auch Emotionen spielen eine Rolle. Dies sollte eigentlich ein Pluspunkt für die Versicherungsbranche sein.

Im Vergleich zu den genannten Finanzprodukten genießt die Rentenversicherung zwar Steuervorteile, sie gilt aber auch als reichlich unflexibel, performanceschwach und vielfach zu teuer. Sind das nur Vorurteile?

Ein wichtiger Punkt ist: Nur eine Rentenversicherung zahlt eine lebenslange Rente. Dass dies eine immer wertvollere Eigenschaft ist, sieht man alleine schon daran, dass die Dauer des Rentenbezugs sich seit 1960 bis heute verdoppelt hat.

Dieser Trend setzt sich fort. Lange zu leben ist sehr schön, aber aus rein finanzieller Sicht ein großes Risiko. Gegen dieses Risiko kann man sich mit einer Rentenversicherung absichern.

Dies ist auch für Kunden kurz vor dem Rentenbeginn noch sinnvoll. Denn die Lebenserwartung kann sich nicht nur bis zum Rentenbeginn erhöhen, sondern sie kann auch danach weiter steigen.

Sparphase einer Rentenversicherung und der Übergang in die Rente

In der Sparphase einer Rentenversicherung, also in der Phase bis zum Rentenbeginn, haben sich bereits zahlreiche Alternativen zur klassischen Anlage etabliert. Es gibt verschiedene Produkttypen mit unterschiedlichen Rendite-Risiko-Profilen: zum Beispiel die Select-Produkte und das statische oder dynamische Hybridprodukt.

In der anschließenden Rentenphase sind die meisten Anbieter jedoch noch recht uninspiriert.

Im Gegensatz zur Sparphase ist der Rentenbezug meist klassisch ausgestaltet. Während sich die Branche in der Sparphase einig zu sein scheint, dass man dort besser nicht rein klassisch unterwegs sein sollte, scheint dies beim Rentenübergang nicht mehr zu gelten. Ergibt das einen Sinn?

Wohl eher nicht. Denn die Rentenphase, also die 2. Halbzeit der Rentenversicherung, ist genauso wichtig, weil sie auch durchaus genauso lange dauern kann. Es wird daher deshalb immer wichtiger, dass eine gute Rentenversicherung auch im Rentenbezug attraktive Performance-Chancen bietet.

Aktuell sind die meisten Lebensversicherer damit beschäftigt, die Risiken ihrer Produkte zu reduzieren, um ihre Solvenzquote zu optimieren. Das Hauptaugenmerk der Anbieter bei der Risikoreduktion liegt auf der Reduktion von Garantien in der Aufschubphase sowie beim Rentenübergang. Gerade beim Rentenübergang kann es passieren, dass eine steigende Lebenserwartung die positive Performance der Kapitalanlage während der Sparphase quasi „auffrisst“.

Grundsätzliche Möglichkeiten im Rentenbezug sind weder Fisch noch Fleisch

Der Entnahmeplan ist eine Lösung außerhalb einer Versicherung. Bei einem Entnahmeplan legt man einen Geldbetrag in Fonds („Fondsentnahmeplan“) oder in andere Kapitalanlagen an und entnimmt monatlich einen Geldbetrag als Rente. Das heißt, man verkauft monatlich Anteile der zu Beginn zusammengestellten Kapitalanlage. Wählt man als monatliche Entnahme einen zu niedrigen Geldbetrag, wird beim Tod noch recht viel Vermögen vorhanden sein. Entnimmt man monatlich einen zu hohen Geldbetrag, so wird das Guthaben frühzeitig aufgebraucht sein. Aufgrund hoher Volatilität am Kapitalmarkt und Finanzkrisen kann das durchaus früher der Fall sein, als einem lieb ist.

Bei einem Entnahmeplan hat man also eine hohe Flexibilität: Man kann jederzeit über die Kapitalanlagen verfügen und auch die Höhe der Entnahmen steuern. Aber man hat keine Planungssicherheit für den Lebensabend.

Im Versicherungsumfeld ist nach wie vor die klassische Verrentung dominant. Da dort aber der Garantiezins sowie die Überschussbeteiligung seit Jahren im Sinkflug sind, ist eine klassische Verrentungsphase immer weniger attraktiv. Längst hat das Niedrigzinsumfeld die Schwächen des rein klassischen Systems einer Rentenversicherung offenbart. Noch bietet die klassische Anlage (meist aus Anleihen und Ähnlichem) bei sinkenden Marktzinsen weiterhin eine im Vergleich zum Marktzins attraktive Verzinsung. Doch das wird sich bald ändern – besonders bei steigenden Zinsen.

Zwar liefert die klassische Rentenversicherung durch die garantierte, lebenslange Rente eine Planungssicherheit. Aber es fehlen Performance-Chancen und Flexibilität.

Wie eine Rentenversicherung sein müsste

Mit einer privaten Rentenversicherung möchte ein Kunde einfach und unkompliziert seine Versorgungslücke im Rentenalter schließen. Dabei spielen Garantien oder zumindest hohe Sicherheiten weiterhin eine große Rolle. Für die 2. Halbzeit im Leben braucht es eine Planungssicherheit.

Vor und auch im Rentenbezug möchte der Kunde flexibel sein. Er möchte Geld unkompliziert einzahlen, aber bei Bedarf auch entnehmen können.

Die Kapitalanlage und besonders deren Performance-Chancen rücken immer mehr in den Vordergrund. Zudem muss es leicht nachvollziehbar sein, wann und wie sich die Rente steigern lässt.

Schön wäre es also, wenn man die Planungssicherheit einer Rentenversicherung mit der Flexibilität und den Performance-Chancen eines Entnahmeplans kombinieren könnte!

Darüber hinaus sehe ich für eine moderne Rentenversicherung weitere Anforderungen:

  • Transparenz bei Kosten und Leistungen
  • Einen einfachen und digitalen Zugang zu allen Vertragsinformationen
  • Realtime-Informationen zu Vertragsguthaben, der vergangenen Performance sowie zur Entwicklung der Rente

Ich sehe keinen Grund, warum mein Online-Depot diese Anforderungen erfüllen kann und meine Versicherung nicht.

Die Renaissance der Rentenversicherung

Die Renaissance der Rentenversicherung steht vor der Tür. Und mit ihr auch ein steigender Wettbewerb um die Rentenphase. Denn:

  • Der Niedrigzins macht der traditionellen Versicherung arg zu schaffen – sowohl in der Spar- als auch der Rentenphase. Für die Sparphase ist sich die Branche einig, dass es alternative Produktkonzepte braucht. Die Rentenphase ist jedoch weiterhin vornehmlich klassisch – aber auch die 2. Halbzeit braucht Performance-Chancen.
  • Vor allem die hohe Volatilität am Aktienmarkt setzt die einfachen Entnahme-Sparpläne unter Druck. Mag sein, dass ein Entnahmeplan grundsätzlich Performance-Chancen verspricht. Doch er gibt keine Planungssicherheit für die 2. Halbzeit.
  • Die steigende Lebenserwartung macht eine private Vorsorge unentbehrlich. Rein finanzrational steigt daher der Stellenwert einer privaten Rentenversicherung.
  • Die Zwangsverrentung bei Riester und Rürup in Verbindung mit der dort vorhandenen Wechselmöglichkeit beim Rentenübergang sorgt dafür, dass sich Vertrieb und Endkunde mehr mit der Rentenphase beschäftigen müssen. Wir reden hier von rund zwei Millionen Rürup- und etwa elf Millionen Riester-Verträgen, die vollständig oder überwiegend in den Rentenbezug gehen werden.
  • Letztlich ist auch das Thema „Wiederanlage“ ein Rententhema. Bisher versäumen es Vertrieb und Lebensversicherer regelmäßig, die ablaufenden Verträge in bleibendes Geschäft umzuwandeln. Mit einer flexiblen und performancestarken Rentenversicherung wird dies einfacher gelingen.

Alternativen zur klassischen Rentenversicherung werden mehr und mehr gefragt sein und bei Vertrieb und Endkunden hoch im Kurs stehen. Insbesondere bei bereits leicht steigenden Zinsen sind Alternativen zur klassischen Rentenversicherungen alternativlos. Es gilt daher, in der Produktentwicklung und im Vertrieb bereits jetzt auf die Konzepte der Zukunft zu setzen.

Für einen Vermittler wird es immer wichtiger, seine Bestands- und Neukunden auch beim Rentenübergang zu beraten. Mit der richtigen Produktlösung wird dies gelingen.

Eine moderne Rentenversicherung vereint drei wichtige Zutaten: Flexibilität, PerformanceChancen und Planungssicherheit für die 2. Halbzeit.