Das wahrscheinlich erste deutsche InsurTech | Interview mit dem Gründer und CEO

Die Deutsche Familienversicherung, mit Sitz in Frankfurt, ist wahrscheinlich das erste deutsche InsurTech.

Der Versicherer ist inhabergeführt und seit elf Jahren am deutschen Versicherungsmarkt. Es ist ein Direktversicherer, der aber auch mit Maklern und Pools zusammenarbeitet sowie erfolgreiche Kooperationen mit gesetzlichen Krankenkassen und Gewerkschaften unterhält. Mittlerweile betreut die Deutsche Familienversicherung über 500.000 zahlende Kunden und benötigt dafür, dank modernster IT und einem hauseigenen Bestandsführungssystem, nur rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Jahr 2016 sind die gebuchten Bruttobeiträge auf über 64 Millionen € gestiegen und die Solvency-II-Quote liegt per Ende 2017 bei 200%.

Am 26. April öffnet der nach eigenen Angaben voll-digitalisierte Versicherer die Tore und gewährt einen intimen Einblick in den Machinenraum und die Schaltzentrale. Frank Genheimer von New Insurance Business hatte vorab die Möglichkeit mit dem Vorstandsvorsitzenden, Inhaber und Gründer Dr. Stefan Knoll ein Interview zu führen.

Was waren Ihre Beweggründe für die Gründung eines Versicherungsunternehmens, wo es in Deutschland doch eigentlich schon recht viele davon gibt? Was sind die Schwerpunkte Ihrer Geschäftstätigkeit? Als wir die Deutsche Familienversicherung gegründet haben, war unser Anspruch vieles einfacher und besser zu machen, als die etablierte Konkurrenz. Auf dem Weg dorthin haben wir manches ausprobiert und auch Lehrgeld gezahlt. Heute – 11 Jahre später – sind wir der am schnellsten wachsende Direktversicherer. Es ist uns gelungen, einen vollwertigen Versicherer aufzubauen, dem rund 500.000 Kunden ihr Vertrauen schenken, der überdurchschnittlich wächst und schwarze Zahlen schreibt und der dafür nur 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigt – das ist gelebte Digitalisierung.

Als ein kleiner Player spielen Sie im Markt eher keine große Rolle. Ist es richtig, wenn man sagt, dass Sie Ihre Chance in den Nischen suchen? Nein. 11 Jahre nach Vertriebsaufnahme ist die Deutsche Familienversicherung von einem analogen Versicherungs-Start-Up zu einem gewinnbringenden volldigitalen Versicherer gereift, der aufgrund vielfach ausgezeichneter Produktvarianten heute als Qualitätsmarktführer bei Krankenzusatzversicherungen gilt. Mit der Entwicklung von innovativen, flexibel auf das individuelle Kundenbedürfnis anpassbaren Versicherungsprodukten haben wir uns in einem hart umkämpften Markt durchgesetzt. Von einem Nischenversicherer kann man also definitiv nicht mehr sprechen.

«Digitalisierung beginnt nicht beim Frontend oder einem hippen Look & Feel, sondern beim Produkt.»

Kommen wir damit direkt zu dem Thema schlechthin: Digitalisierung. Teilweise hat man das Gefühl, dass es nur ein Hype ist, der wie ein Religionsersatz gelebt wird. Wie wichtig ist das Thema wirklich für die Branche und wie erklären Sie sich die Diskrepanz zwischen «Reden» und «Tun», die in der Branche auf der breiten Sicht noch immer vorherrscht? Digitalisierung beginnt nicht beim Frontend oder einem hippen Look & Feel, sondern beim Produkt. Nur einfache und verständliche Produkte machen eine Digitalisierung sinnvoll. Deshalb gibt es bei uns nur ganz einfache, vollständig verständliche Versicherungsprodukte. In der Folge haben wir unser Angebot von 106 verschiedenen Krankenzusatzversicherungen auf die wichtigsten 16 reduziert. Für die sogenannte 16er-Matrix unserer Krankenzusatzversicherung gilt der revolutionäre Ansatz: Einfach das Alter eingeben und 16 Preise für 16 Versicherungen erhalten. Das ist gelebte Digitalisierung! Im Rest der Branche stelle ich jedoch fest, dass überall über Digitalisierung geredet wird aber ansonsten nichts bis wenig passiert.

Was genau ist da in Ihrem Unternehmen anders? Haben Sie im Zuge dessen vielleicht einen kollegialen Tipp für Ihre Vorstandskollegen in den anderen Häusern? Bei uns ist alles anders. Die Besonderheit beginnt schon bei der Tatsache, dass die Deutsche Familienversicherung ein inhabergeführtes Unternehmen ist. Und ich nicht nur Vorstandsvorsitzender der bin, sondern auch Gründer und Inhaber. Damit habe ich logischerweise ein sehr besonderes Verhältnis zu  meinem Unternehmen, den Produkten und unseren 500.000 Kunden. Hinzu kommt, dass wir mit gerade einmal 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine sehr schlanke Führungsstruktur und flache Hierarchie besitzen. Dies ermöglicht es uns extrem schnell zu agieren. Für den Launch eines neuen Versicherungsproduktes brauchen wir von der Entwicklung bis zum Vertriebsstart zwischen 2-4 Wochen, sowas ist woanders unmöglich. Daher kann ich meinen Vorstandskollegen der anderen Häuser keinen Tipp geben, weil deren Strukturen eine digitale Transformation mindestens erschweren.

Und wie ist das Thema «Digitalisierung» in Ihrem Unternehmen verankert? Wir haben uns mit dem Thema Digitalisierung sehr grundsätzlich beschäftigt. Das Ergebnis ist die Erkenntnis, dass die Digitalisierung beim Versicherungsprodukt beginnt. Wer das anders sieht, für den ist Digitalisierung, wenn überhaupt, nichts anderes, als Automatisierung. Denn wie soll Digitalisierung funktionieren, wenn der Kunde die Unterscheidung zwischen Zahnersatz-, Zahnerhalt- oder Implantatversicherung treffen muss? Oder Wissen Sie etwa, was der Unterschied zwischen einer Knirscherschiene und einer Aufbissschiene oder zwischen Inlay und Onlay ist? Daher bedeutet Digitalisierung für uns, dass wir alles einfacher und vernünftiger machen wollen, getreu unserer Unternehmensmaxime: «Einfach. Vernünftig.».

«Damit ist die Deutsche Familienversicherung in der Tat der erste digitalisierte Versicherer und das einzige, voll-funktionierende Insurtech-Unternehmen in Deutschland.»

Würden Sie Ihr Unternehmen demnach als «InsurTech» bezeichnen? Vielleicht sogar als der Vorreiter oder das erste InsurTech in Deutschland? Ja. Wir arbeiten auf der Basis eines eigenen, hochmodernen Bestandsführungssystems. Wir nutzen Alexa und Google Home sowie Chat-Bots zur Produktberatung. Amazon Log-in, Amazon Pay und PayPal sind für uns Selbstverständlichkeiten. Wir beherrschen die Dunkelverarbeitung im Antragsprozess vollständig und nutzen zum Auslesen von Schaden- und Leistungsmeldungen künstliche Intelligenz. Unseren Kunden stehen mit einer modernen Portallösung, Apple Wallet und einer besonders entwickelten Vertragsverwaltungs-App alle digitalen Kommunikationsformen zur Verfügung. Damit ist die Deutsche Familienversicherung in der Tat der erste digitalisierte Versicherer und das einzige, voll-funktionierende Insurtech-Unternehmen in Deutschland.

In 2017 kam die nunmehr dritte Welle der InsurTech-Bewegung ins Rollen, die sogenannten voll-digitalen Versicherer haben die Bildfläche betreten. Aus meiner Sicht ist diese Entwicklung ganz natürlich und auf Gesamtsicht auch positiv zu werten. Wie sehen Sie das? Bereiten diese Startups Ihnen Sorge? Nein, die Startups bereiten mir keine Sorgen. Insgesamt bewerte ich die Entwicklung ebenfalls positiv. Dennoch rate ich, mit meiner Erfahrung der letzten 11 Jahre, davon ab einen Versicherer zu gründen. Die Kraftanstrengungen sich am Markt durchzusetzen an diesem zu bestehen sind enorm. Gleiches gilt für die finanziellen Mittel, welche für den vertrieblichen Erfolg benötigt werden. Zusätzlich bin ich sehr skeptisch, dass Start-Ups, mit oder ohne BaFin-Lizenz, sich bereits Versicherer nennen und dann noch volldigital sein wollen. Denn aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Probleme dann beginnen, wenn die ersten Kunden tatsächlich Versicherungen abschließen und dann nach geraumer Zeit auch die ersten Schäden einreichen.

«Derartig ernste Themen müssen nachhaltig erklärt und beraten werden. Das kann keine Maschine – und kein Mensch vertraut bei derartigen Vorsorgethemen einem digitalen Sprachassistenten.»

Welchen Stellenwert hat bei der ganzen Digitalisierung noch die postalische Kommunikation in ihrem Haus? Oder anders gefragt, hat der physische Brief in Zeiten der Digitalisierung eine Zukunft? Ja, weil physische Briefe in einer digitalen Welt an Bedeutung gewinnen. Die Verwendung postalischer Briefe darf nur nicht inflationär werden. Daher wird jeder neue Kunde, von dem die Postanschrift mit aufgenommen wurde, durch einen Papierbrief auf dem Briefbogen des Vorstandsvorsitzenden angeschrieben und als Kunde begrüßt. Fehlt die Postadresse, erfolgt vergleichbares per E-Mail.

Sie waren der erste Versicherer Deutschlands mit einem eigenen Alexa-Skill. Wie schätzen Sie in diesem Kontext die Zukunft der persönlichen Beratung über Makler und Vermittler ein? Ich bin davon überzeugt, dass die Zukunft wie folgt aussieht, der Kunde wird zu Alexa & Co. sagen: «Ich will eine Haftpflichtversicherung.» und Alexa wird schlichtweg antworten: «Du hast eine».  Die Systeme werden im Namen der Kunden Versicherungen suchen und abschließen, ohne nennenswerte Kommunikation mit dem Versicherer. Umso wichtiger ist es daher in diesem Bereich so früh wie möglich dabei zu sein. Für den Vertriebsweg «Makler» heißt das aber nicht, dass dieser in Zukunft nicht mehr existieren wird, im Gegenteil. Denn es gibt eine Reihe von Versicherungen, bei denen die Kunden persönliche Beratung durch einen Menschen verlangen. Nehmen wir beispielsweise die Pflegezusatzversicherung. Bei einer Pflegezusatzversicherung sichert der Kunde grundlegende Veränderungen seines Gesundheitszustandes im hohen Alter ab. Derartig ernste Themen müssen nachhaltig erklärt und beraten werden. Das kann keine Maschine – und kein Mensch vertraut bei derartigen Vorsorgethemen einem digitalen Sprachassistenten.

«Daher sehe ich die Deutsche Familienversicherung auch für die 5. und 6. Welle der Insurtech-Bewegung gut gewappnet.»

Wie sehen Sie die Zukunft der InsurTech-Bewegung? Gehört die vierte Welle den Plattformen und den Ökosystemen? Wie positionieren Sie Ihr Unternehmen hier? Unsere Positionierung ist einfach. Denn bei allem was wir tun, stellen wir den Kunden in den Mittelpunkt unseres Denkens. Dies verbinden wir mit dem Bemühen, dass wir nur solchen Versicherungsschutz anbieten, den der Kunde wirklich braucht. Im Ergebnis bedeutet dies, dass wir die einfachsten und verständlichsten Produkte am deutschen Markt anbieten, die schnellste online Abschlussstrecke haben sowie die Möglichkeit anbieten, via AmazonPay oder Paypal Versicherungen zu bezahlen. Zusätzlich waren wir die erste Versicherung Deutschlands mit einem eigenen Alexa Skill und garantieren Kostenerstattung, dank der Implementierung künstlicher Intelligenz in die Schaden- und Leistungsprozesse,  innerhalb von 48 Stunden. Daher sehe ich die Deutsche Familienversicherung auch für die 5. und 6. Welle der Insurtech-Bewegung gut gewappnet.

Werden wir dazu mehr bei Ihrem InsurTech-Event Ende April in Frankfurt erfahren? Was können Sie bereits jetzt über eines der bestgehütetsten Geheimnisse, die Agenda zu Ihrem Event, preisgeben? Gern. Wir werden Ihnen schlichtweg zeigen, warum wir als einziges, funktionierendes Insurtech-Unternehmen und erster digitalisierter Versicherer den Anspruch erheben, digitaler Vorreiter einer ganzen Branche zu sein.

Herr Dr. Knoll, herzlichen Dank für Ihre Zeit und das sehr angenehme Interview. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Deutsche Familienversicherung weiterentwickeln wird. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Unternehmen alles Gute und ich freue mich auf Ihr Event in Frankfurt!

Erfahren Sie mehr zum Event der Deutschen Familienversicherung auf der Internetseite www.insurtech-germany.com.