BaFin bemängelt den Vertrieb von Netto‑Policen. Nur um es klarzustellen: «Netto‑Policen» gibt es nicht bei Netto. Auch nicht bei Rewe, Lidl oder Aldi – zumindest, soweit ich weiß. Netto hat sich für diese Policen auch nicht die Namensrechte gesichert – etwa so wie die Allianz für das Stadion in München.
Die BaFin hat den Vertrieb sogenannter Netto‑Policen unter die Lupe genommen. Diese gelten zwar als kosteneffizientere Alternative zu klassischen «provisionsbelasteten» Policen («Brutto-Policen»), doch die Aufsicht stellt klare Mängel fest.
In einer Befragung von 22 Versicherern wurden besonders bei Beratung, Transparenz und Bewertung des Kundennutzens teils eklatante Defizite offengelegt.
Zudem fehlt es häufig an Vorgaben zur angemessenen Höhe des Vermittlerhonorars – teils wissen Versicherer gar nicht, welche Vergütung separat gezahlt wird. Dadurch kann der gesetzlich geforderte Kundennutzen vom Versicherer gar nicht bewertet werden.
Ein besonders brisanter Punkt: Nur 4 von 22 Gesellschaften können bestätigen, dass die Vermittler keine Rückvergütungen («Kick‑Backs») von Fondsgesellschaften erhalten. Dabei können verdeckten Zahlungen Fehlanreize schaffen in der Beratung schaffen.
Die BaFin sagt: In einem Fall wurde der Vertrieb eines Netto‑Produkts bereits schon eingestellt.
Netto‑Policen klingen zunächst fair und transparent – schließlich zahlt der Kunde das Honorar separat und direkt. Doch solange zum Beispiel «Kick‑Backs» im Dunkeln bleiben wird aus Transparenz schnell Irreführung.
Und ob ein Kunde mit «Netto» (ökonomisch) wirklich besser fährt als mit «Brutto», muss sich im Einzelfall auch erst einmal genau zeigen. Und darüber hinaus gibt es auch noch andere Themen, die abseits von Kosten ziemlich relevant sind.
Link zum BaFin-Artikel: https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Fachartikel/2025/fa_250804_nettoprodukte.html